Die Autorin

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Krystina Kuhn, Nummer sieben von acht Kindern, wurde in Würzburg geborgen. Sie hat auf dem Dachboden lesen gelernt und sich dort Geschichten ausgedacht. Nach dem Abitur studierte sie Germanistik, Russisch, Polnisch und Kunstgeschichte in Würzburg, Göttingen, Moskau und Krakau. Nach dem Studium schrieb Kuhn zunächst Fachbücher bis sie im Jahr 2000 beschloss, Schriftstellerin zu werden.

Interview zur Entstehung von "Monday Club"

„Für mein Schreiben sind fremde, unbekannte Orte besser als das Vertraute.“

Neu-England – Ein interessantes Setting, wie kam es dazu, dass es in Ihrem Buch eine Rolle spielt?
Die Trilogie handelt von einem unglaublichen Geheimnis. Es geht unter anderem um wissenschaftliche Themen. Welche Stadt wäre also besser geeignet als Boston? Hier befinden sich Harvard und das Massachusetts Institute of Technology (MIT). Was Bluehaven als Schauplatz betrifft, so hatte ich mich ziemlich schnell für Maine entschieden. Dieser Bundesstaat ist nicht nur die Heimat von Stephen King, der mir in Harvard sein neuestes Buch signierte, sondern auch der Titel eines meiner Lieblingsbücher, „Winter in Maine“ von Gerard Donovan. Und nach der Serie „Das Tal“ sollte die Handlung diesmal unbedingt am Meer spielen. Alles passte also zusammen.

Bevor Sie mit dem Roman begonnen haben, sind Sie nach Neu-England gereist, um sich dort inspirieren zu lassen. Was bedeutet diese Landschaft für Sie?
Der Indian Summer, der dafür entschädigt, dass der Sommer endgültig vorbei ist. Die felsige, oft unzugängliche Küste. Die Leuchttürme. Die Holzhäuser, bei denen der Schaukelstuhl auf der Veranda steht. Hummer auf allen Speisekarten. Ach ja, und überall Kürbisse lange vor Halloween. Doch man darf sich von dieser Idylle nicht täuschen lassen. In der Luft liegt noch etwas anderes –  das Mysteriöse, das Geheimnisvolle, vielleicht sogar das Böse. 

Welche Orte haben Sie am meisten beeindruckt?
Die ersten beiden Wochen war ich in Boston und habe mich durch Gänge des MIT geschlichen, um Fotos zu machen, die ich nicht machen durfte. Es war spannend an Laboren vorbeizukommen, in denen Studenten an irgendwelchen Drähten und Maschinen herumbastelten. Und ich hatte das Gefühl, dass dort ein besonderer Geist über dem Campus schwebt. Ich mochte auch die U-Bahn, denn nirgendwo kann man besser Menschen studieren. Dann natürlich die vielen Buchhandlungen und Antiquariate, in denen ich stundenlang gestöbert habe. Und immer wenn ich das Meer sah, wollte ich anhalten und an den Strand gehen. Aber leider ist das nicht einfach, weil es sich bei den Grundstücken oft um Privatbesitz handelt.

Und welche Eindrücke haben direkt Eingang in den Roman gefunden?
Für mein Schreiben sind fremde, unbekannte Orte besser als das Vertraute. Ich nehme jedes Detail wahr und halte nichts mehr für selbstverständlich. Dann fließt alles in die Geschichte ein. Das Wetter, die Brandung, die Hafenanlagen, die Farbe der Häuser, das Laub, das Rot der Hummer, der Geschmack von Ahornsirup, das Flattern der amerikanischen Fahne auf dem Friedhof.

Welche Bedeutung haben die vier hier gezeigten Fotos für das Buch?
Sie sind in Band I die zentralen Schauplätze. Als ich meine Recherchereise startete, war ich auf der Suche nach einer Stadt bzw. einem Dorf, das als Vorbild für Bluehaven dienen konnte. Ich habe lange Landkarten und Stadtpläne studiert, doch am Ende hat mir der Besitzer eines Bed & Breakfast mit dem Namen „The Squire Tarbox Inn“ einen idyllischen, verschlafenen Ort empfohlen, dessen Name ein Geheimnis bleibt. Dass ein Friedhof eine Rolle spielen würde, stand von Anfang an fest. Ich hatte jedoch kein Restaurant im Sinn. Dann besuchte ich mehrfach dieselbe Bar, habe mich mit der Tochter des Besitzers unterhalten, und schon war Fayes Vater Koch, und der „New Spoon“ entstand in meiner Vorstellung. Ebenso ging es mir mit dem zerfallenen Haus. Es dient zwar nicht als direktes Vorbild für das Fullerhaus, doch das Gruselige, das es ausstrahlt, inspirierte mich zu den Geistergeschichten, die Amy Faye erzählt.

Fotos: © www.thomas-kohnle.de